Früher habe ich vieles verliehen: Bücher und Kassetten oder CDs wurden hin- und herverliehen. Unter Freundinnen tauschten wir Kleidung aus. Das Auto wurde auch mal für eine Urlaubsfahrt verliehen.

Vor einigen Jahren hatte ich eine Freundin – so dachte ich zumindest. Diese Frau – die als „spirituelle Lehrerin“ inzwischen eine große Fangemeinde hat, war in einer finanziellen Notlage. Sie hatte kleine Kinder, war mit der Miete im Rückstand und erzählte mir unter Tränen, dass sie für die Kinder nichts zu essen kaufen könne.

Ich habe ein großes Herz, das vor allem, wenn es um Kinder geht, noch mal wächst. Und ich hatte ein wenig Geld geerbt, so dass ich dieser „Freundin“ nicht nur Geld für Nahrungsmittel geben konnte, sondern auch so viel, dass sie ihre Mietschulden begleichen konnte. Ich machte keinen Vertrag mit ihr, sondern sagte ihr, gib es mir wieder, wenn Du es hast.

Ich hatte die Idee, dass ich das Geld nach einem Jahr wieder haben würde. Das sah diese Frau allerdings völlig anders. Sie teilte mir mit, dass sie das Geld nicht habe.

Gleichzeitig kaufte sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten einen Pferdehof!

Ich war fassungslos. Denn ich an ihrer Stelle hätte spätestens zu diesem Zeitpunkt das Geld zurückgezahlt. Nicht so diese Frau.

Auf meine Bitte hin, das Geld zurückzubekommen, beschimpfte sie mich und kündigte mir auf allen Wegen die Freundschaft und Kontaktmöglichkeiten. Ich habe das Geld bis heute nicht zurückbekommen.

Diese Geschichte ist nun schon vor einigen Jahren geschehen. Zunächst war ich wirklich traurig und verletzt, weil ich nicht glauben konnte, dass ich mich so in dieser Frau getäuscht haben sollte. Aber inzwischen habe ich das Geld abgeschrieben. Ich denke, Karma wird auch sie treffen. Oder vielleicht gab es ja sogar noch aus vergangenen Zeiten ein Ungleichgewicht, das jetzt ausgeglichen ist. Ich weiß es nicht, aber es ist mir auch nicht mehr wichtig.

Mein kluger Sohn brachte mich auf einen wundervollen Gedanken. Er sagte mir: „Mama, ich verschenke immer das, was jemand anders benötigt, wenn ich es übrig habe.“

Inzwischen mache ich es auch so. Ich verschenke Bücher oder CDs, wenn ich sie nicht mehr benötige und sich ein anderer darüber freut. Und wenn ich mal wieder mitbekommen sollte, dass jemand in Not ist, werde ich ihm oder ihr so viel Geld schenken, wie ich entbehren kann. Ohne Verpflichtung und ohne Erwartung und mit freiem und offenem Herzen!

So habe ich doch etwas aus dieser großen Enttäuschung gelernt.

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